Familienzusammenschluss auf dem Frankfurter Flughafen.        

Bild Olaf Büscher

 

Die Heimfahrt war einziges Glückserlebnis

VAIHINGER KREISZEITUNG

11. Oktober 2016

 

 

Iyad Al Borini, syrischer Flüchtling in Vaihingen, konnte seine Familie auf dem Flughafen in die Arme schließen

 

Ganz großer Bahnhof beim Arbeitskreis Asyl Vaihingen, besser gesagt ganz großer Flughafen. Am Mittwoch nahm eine lange Trennung endlich ein glückliches Ende. Iyad Al Borini, syrischer Flüchtling in Vaihingen, konnte seine Familie, Frau und drei kleine Kinder, von denen er das jüngste zum ersten Mal sehen konnte, in die Arme schließen.

Vaihingen (ob). Endlich wieder vereint nach monatelanger Trennung, Ungewissheit, Ängsten und Sorgen. Iyad Al Borini war nach Deutschland geErstellt: 11. Oktober 2016Foto: Büscherflohen vor den Schrecken des Bürgerkriegs. Die Flucht war zu strapaziös und gefährlich, als dass er seine Familie hätte mitnehmen können, bis Jordanien hatten sie es geschafft, da waren sie zumindest erst einmal in Sicherheit. Während Iyad mit allen Hürden des Asylverfahrens kämpfte, sich in Deutschland dabei trotzdem überraschend gut einlebte, startete er immer wieder Versuche, seine Familie nachkommen zu lassen, zunächst vergeblich. Erst mit erfolgreichem Abschluss seines Verfahrens gab es einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont.

Aber die Zeit wurde immer länger und schwerer und Reisewarnungen der deutschen Botschaft für Jordanien machten es auch nicht gerade leichter, berichtet der Arbeitskreis Asyl. Einziges Verbindungsglied zu Frau und Kindern war das Smartphone, ein unschätzbar wertvolles Hilfsmittel, aber doch nur ein kläglicher Ersatz. Es begann der Versuch, aus der Ferne Termine bei der deutschen Botschaft in Jordanien für die Familie zu organisieren, damit diese die nötigen Visa beantragen konnten. Was so einfach klingt, entpuppte sich als Sisyphus-Arbeit. Immer, wenn neue Kontakttermine per Internet freigegeben wurden, waren sie in der Regel sofort vergriffen – durch Schlepperbanden. Als es endlich doch gelang und unzählige Telefonate die Familie schließlich etwas beruhigen konnten, war der Termin am angegebenen Tag in der Botschaft unbekannt, die Familie durfte unverrichteter Dinge umkehren. Iyads Verzweiflung war nahezu grenzenlos.

Dann schaltete sich der AK Asyl Vaihingen ein, schrieb Mails und telefonierte mehrfach mit der Botschaft in Jordanien und – die Überraschung war wirklich groß – traf auf sehr hilfsbereite deutsche Botschaftsangestellte. Ergebnis: Es gab einen Termin per Telefonzusage und Mailbestätigung. Da sich seitens der Botschaft aber gleich mehrere Personen des Falls angenommen hatten, gab es noch weitere Termine – etwas, was nicht vorkommen darf. Wieder Ratlosigkeit, aufkommende Panik bei Iyad, da neue Termine in der Regel ein halbes Jahr dauern. Weitere Telefongespräche seitens des AK Asyl brachten schließlich eine Klärung, Frau und Kinder erhielten auf drei Monate beschränkte Urlaubsvisa.

Aber eine Erlösung war immer noch nicht in Sicht – der Flug war viel zu teuer, vor allem weil es wegen der kleinen Kinder ein Direktflug sein musste. Einen erheblichen Teil hatte Iyad gespart – aber ein Drittel fehlte. Nach vielen Anfragen, unter anderem beim Jobcenter, das die Flüchtlinge ja versorgt, fand sich der Lions Club Vaihingen sofort und ohne große Hürden bereit, Iyad die Summe als Darlehen zu gewähren – zinslos und gebührenfrei. Die evangelische Kirchenpflege und der AK Asyl erklärten sich bereit, die Verwaltung und Regelung zu übernehmen, das Ticket konnte endlich bestellt werden.

In der Zwischenzeit hatte der SWR mit seinem Refugee-Programm Wind von der Sache bekommen, sie wollten eigentlich über die Einschulung berichten, aber das war gescheitert. Nach kurzen Besprechungen mit Iyad, Redaktion und AK Asyl war man gerne bereit, eine solche Familienzusammenführung in Bild und Ton festzuhalten. Gesagt, getan, am Mittwoch machten sich Iyad und sein in Deutschland lebender Cousin, das SWR-Team und Olaf Büscher vom AK Asyl als Fahrer mit einem Kleinbus auf den Weg nach Frankfurt. Die Interviews mit Iyad während der Fahrt waren noch gut machbar, aber je näher der Flughafen kam, desto höher stieg der Puls. Und die bangen Minuten zwischen Landung der Maschine aus Amman und dem Auftauchen der Familie nach der Gepäckausgabe waren für ihn schier unerträglich. Den Rest braucht man nicht zu schildern, alle lagen sich in den Armen, Tränen flossen, abgelöst von Lachen und Strahlen und die Heimfahrt war ein einziges Glückserlebnis. Büscher: „Wer das miterleben durfte, kommt nie mehr auf die Idee, Familienzusammenführungen einfach pauschal erschweren zu wollen, garantiert nie.“

 

 

 

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