Arbeitskreis Asyl Vaihingen bringt Flüchtlingsfrauen aufs Rad

 

Vaihingen                                                                                            

VKZ 27.07.2106

 

Das Kopftuch ist kein Hindernis

Arbeitskreis Asyl Vaihingen bringt Flüchtlingsfrauen aufs Rad – 13 Teilnehmerinnen auf dem Verkehrsübungsplatz

Die Helfer der Aktion mobile Frauen des Arbeitskreises Asyl in Vaihingen. Fotos: p

Wie soll Integration gelingen, wenn man völlig unbeweglich ist? Zu Fuß ist selbst Vaihingen manchmal schon riesengroß – von der schönen Umgebung ganz zu schweigen, sie bleibt unerreichbar. Bus und Bahn sind ja wirklich gut – aber oft gerade nicht zu erreichen, verkehren zu den falschen Zeiten. Der Arbeitskreis Asyl ist das Problem angegangen.

Vaihingen (p). Außerdem ist eine Bus- oder Bahnfahrt ohne Deutschkenntnisse eine Herausforderung der besonderen Art. Was bleibt also übrig? Idealerweise das Fahrrad – aber viele, besonders Frauen, haben Hemmungen, trauen sich nicht, fühlen sich unwohl, werden argwöhnisch beäugt.

Dieses Problem hat den Arbeistkreis Asyl Vaihingen gereizt, das wollte man angehen, Frauen mobil machen. Und schneller als gedacht fanden sich viele, die Mut machten und selbst aktiv mithalfen. Nach dem Motto „Bange machen gilt nicht!“ stellte die Verkehrswacht in Person von Karin Beck ihr Trainingsgelände zur Verfügung samt Schulungsraum und kompletter Infrastruktur, Versicherung, Getränken, Brezeln und fleißigen Helfern. Die Organisation übernahm Sabine Jüngling, sie schaffte es auch, etliche Mitglieder des RSV Vaihingen zur Mithilfe zu motivieren und die Radwege-AG der Ferdinand-Steinbeis-Realschule stellte erfahrene Schüler als Unterstützer.

Der AK Asyl übernahm den Rest, wie Werbung per Flyer, Mund-zu-Mund-Propaganda in den Unterkünften, Kinderbetreuung vor Ort (Frauen kommen ja mit Kindern) und per Powerpoint im Schulungsraum die nicht ganz einfache Einführung in die Welt der deutschen Straßenverkehrsordnung.

Da die aber nicht in Arabisch geschrieben ist, übersetzte wieder einmal Qasem Allan, syrischer Jugendlicher und Musterbeispiel für eine gelungene Integration, die notwendigsten Punkte. Die Polizei Vaihingen half tatkräftig im Vorfeld mit, schließlich ist Karin Trostel als Jugendsachbearbeiterin auch eine erfahrene Beamtin in der Flüchtlingsarbeit. Auch das Wetter hielt sich an diesem Freitag freundlich zurück, es konnte losgehen – fehlten nur noch die Kursteilnehmerinnen. 15 Minuten vor Beginn wurden zwei Teilnehmerinnen entdeckt – aber mit Beginn des theoretischen Teils füllten 13 Frauen den Übungsraum, mehr als man erhofft hatte.

Verkehrszeichen und Vorfahrtsregeln sind die eine Sache, die Praxis die andere. Also „Frauen aufs Rad!“ – aber natürlich nur mit Helm! Kopftuch und Hidschab waren kein Hindernis und nur scheinbar im Weg – niemand fuhr ohne! Schnell zeigte es sich, dass von völligen Anfängerinnen, die noch nie auf einem Rad gesessen waren, bis zu recht flotten und erfahrenen Bikerinnen alles vertreten war.

Wie gut, dass die Verkehrswacht auch Roller als Trainingsgeräte hatte, die das erste Herantasten an das Fahren auf zwei Rädern doch sehr erleichterten. Ehrgeizig, aber mit viel Freude und Spaß kämpfte frau dann mit den eigenen Hemmungen, mit Gleichgewicht und Erdanziehung, im wahrsten Sinne unterstützt von Helferinnen, die die früher gerne benutzten Stützräder sinnvoll und engagiert ersetzten; gleichzeitig gab’s nützliche Tipps.

Die Erfahreneren wagten sich in den vorbereiteten Parcours mit Gassen und Achtern, Slalom, kleiner Rampe und Stopp-Linie, angeleitet von den FSR-Schülern. Manche selbstsicheren Damen erfuhren, dass es doch nicht so einfach ist, der vorgegebenen Spur zu folgen und nicht die ganze Wegbreite nutzen zu dürfen, was im Straßenverkehr später nicht ohne Folgen bliebe. Auch der Stopp vor der Linie – von einigen nur mit der Vorderbremse vehement praktiziert – führte zu Überraschungen und Einsichten. Aber entgegen aller Befürchtungen gab es keine Verletzten, keine Unfälle und vor allem auch keine Berührungsängste, alle waren engagiert und voller Begeisterung bei der Sache.

Zwischenzeitlich hatten sich auch zahlreiche Mädchen dazu gesellt, so dass auf dem Trainingsgelände ein reger Verkehr herrschte.

Nach fast drei Stunden hieß es dann „Trainingsende und Aufräumen“. Ob es angekommen war und sich gelohnt hatte? Das mag am besten die Frage von zwei Teilnehmerinnen in gebrochenem Deutsch beantworten: „Wann weiter? Montag?“ Es geht weiter – nach den Sommerferien.

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© AK Asyl Vaihingen an der Enz